Wie einst bei der Abstimmung über die Schaffung des Bezirks Dietikon wird die Limmattalbahn gegen den Willen einer Mehrheit der Bevölkerung angenommen. 54,1% sagten am Sonntagnachmittag nein zum Projekt.

Die Limmattaler gemeinden sagten allesamt Nein, während Aesch, Birmensdorf und Uitikon die Bahn deutlich annahmen. Die genaue Übersicht der Ergebnisse im Bezirk sehen Sie unter dem Artikel in der interaktiven Grafik.

Im gesamten Kanton wurde die Limmattalbahn hingegen mit 64,5% angenommen. Mit 72,7% am fiel das Ja zur Bahn in der Stadt Zürich deutlichsten aus, in den meisten Bezirken lag der Ja-Anteil zwischen 60% und 70%. Die Wahlbeteiligung lag bei 39,7%.

Reaktionen auf die Abstimmung

Der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP) zeigt sich zwar „froh darüber, dass die Limmattalbahn-Vorlage auf kantonaler Ebene angenommen und auch im Bezirk Dietikon nur knapp abgelehnt worden ist“. Über den hohen Nein-Stimmen-Anteil seiner Stadt, dem Bezirkshauptort Dietikon, ist er aber genauso überrascht wie enttäuscht. „Es ist den vielen Befürwortern offenbar nicht gelungen, die Notwendigkeit des Projekts zu vermitteln.“

Die Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons Zürich, Carmen Walker Späh (FDP), ist erfreut über das positive Resultat im Kanton.

Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) nimmt Stellung zum deutlichen Ja im Kanton.

Der "Vater der Limmattalbahn", alt SVP-Kantonsrat und alt Unterengstringer Gemeindepräsident Willy Haderer, ist "hocherfreut" über das Gesamtergebnis zu den Limmattalbahn-Krediten. Über die Ablehnung im Bezirk hingegen zeigt er sich - negativ - überrascht. "Insbesondere, dass Dietikon derart klar Nein sagt - damit habe ich nicht gerechnet", sagt Haderer auf Anfrage. Die Ablehnung der rechtsufrigen Limmattal-Gemeinden erklärt er sich folgendermassen: "Viele werden sich gedacht haben: Die Vorlage geht uns wenig an - und wenn schon die Standortgemeinden die Bahn nicht wollen, müssen wir auch nicht Ja stimmen". Zudem, so Haderer, habe offensichtlich im ganzen Bezirk die "Angstmacherei" der Gegner grösseren Anklang gefunden, als er selbst erwartet hätte.

Christian Meier, Präsident des Komitees «Masslose Limmattalbahn – Nein», nimmt Stellung zum deutlichen Unterschied zwischen den Resultaten im Kanton und im Bezirk.

Christian Meier, Präsident des Komitees «Masslose Limmattalbahn – Nein», nimmt Stellung zum Ergebnis.

Der Aescher SVP-Nationalrat Hans Egloff sucht Antworten darauf, wieso die Limmattalbahn im Bezirk abgelehnt wurde.

Getrübte Freude bei Nationalrat Hans Egloff

Die Limmattalbahn kommt: Gemäss Hochrechnung sprechen sich 66 Prozent für die neue Bahnstrecke aus. Das freut Hans Egloff, Befürworter der Limmattalbahn, sehr. Er bedauert jedoch, dass die Standortgemeinden die Bahn ablehnen.

Der Limmattalbahn-Gegner und Schlieremer SVP-Gemeinderat Thomas Grädel hat den Kampf um die Linienführung noch nicht aufgegeben: "Wir hoffen, dass wir mit dem Noch hängigen Postulat im Schlieremer Parlament noch einige Verbesserungen an der Linienführung erreichen können." Der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin sieht das anders: "Bei der Linienführung besteht nur noch sehr wenig Spielraum."

Das sagen die Parteien

Die SP Limmattal nimmt das Resultat in einer Mitteilung "mit grosser Freude zur Kenntnis". Das "enttäuschende" Ergebnis im Bezirk Dietikon führt die Partei auf eine "weitverbreitete Wachstumsmüdigkeit in der Bevölkerung" zurück. Es sei wichtig, diese Bedenken bei der Realisierung der Limmattalbahn ernstzunehmen und sicherzustellen, "dass die Entwicklung im Limmattal zum Vorteil aller verläuft." Auch die AL Limmattal sieht die Ablehnung in Schlieren und Dietikon als Folge der "Angst vor einem ungebremsten Wachstum", wie die Partei mitteilt. Sie nimmt die kantonale Zustimmung "mit Genugtuung" auf und will sich dafür einsetzen, die Siedlungsentwicklung in gute Bahnen zu lenken. Die Grünen Dietikon zeigen sich in einer Mitteilung "grundsätzlich froh" über die Annahme der Vorlage, wenn auch die Ablehnung im Bezirkshauptort "mehr als ein Wemutstropfen ist". Sie führen das Nein auf "Angst vor Veränderungen", "Missmut zur Grossbaustelle" und "Unwissen zu Kernpunkten" zurück. Für den weiteren Verlauf fordern sie eine für die Bevölkerung von Dietikon optimale Baustellenführung, eine bessere Anbindung des Niderfelds ans Qjuchquartier und ein Einlösen der stadträtlichen Versprechen bezüglich städtebaulicher Massnahmen. Die Demokratische Partei der Stadt Dietikon nimmt vom klaren Stadtdietiker Nein "mit Befriedigung Kenntnis". Es bedeute, dass "der Stadtrat und die grosse Mehrheit im Gemeinderat während den letzten Jahren konsequent an der Bevölkerung vorbei politisiert haben". Die Partei bedauert, aber "akzeptiert den demokratischen Entscheid" des Kantons.

"Dem Limmattal wird eine Bahn aufgezwungen, welche die lokale Bevölkerung gar nicht will", kommentiert die SVP des Kantons Zürich in einer Mitteilung das Resultat. Die kantonale SVP, die als einzige Kantonalpartei die Vorlage ablehnte, sieht die Bahn als Folge der "unkontrollierten Masseneinwanderung in den Kanton Zürich". Die CVP des Kantons Zürich freut sich hingegen über die klare Zustimmung im Kanton, weil die Bahn "effizienter und umweltfreundlicher als Buslinien" sei und "dem zu erwartenden Bevölkerungswachstum" gerecht wird, wie die Kantonalpartei mitteilt. 

Der kantonale Gewerbeverband Zürich KGV begrüsst das Ja zur Limmattalbahn. Sie werde als Teil einer Gesamtverkehrslösung das ÖV-Angebot im Limmattal künftig verbessern. Die Stimmbevölkerung werte mit ihrem Entscheid die Region verkehrlich auf und schaffe damit "optimale Voraussetzungen" für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. "Dies stärkt den gesamten Wirtschaftsstandort Zürich."

Das Komitee "Ja zur Limmattalbahn" freut sich in seiner Mitteilung "sehr, dass die Stimmberechtigten des Kantons Zürich der Limmattalbahn mit 64,5 Prozent deutlich zugestimmt haben". Sie hätten "die Bedeutung des Generationenprojekts erkannt", mit dem nicht nur die Schienen, sondern auch die Strassen im Limmattal entlastet würden. Co-Präsident Hans Egloff äussert sich in der Mitteilung wie folgt über die Ablehnung im Bezirk: "Die Ablehnung in den Standortgemeinden ist eine Folge des Streites um die richtige Linienführung und reflektiert wohl auch allgemeine Bedenken gegen die Zunahme des Verkehrs auf allen Achsen und Trägern. Mit einem solch negativen Resultat habe ich allerdings nicht gerechnet. Der Entscheid ist zu akzeptieren, wenn aus meiner Sicht auch nicht nachzuvollziehen."

Gespaltene Reaktionen im Netz

Auf Twitter sorgt das Resultat bereits für viele Diskussionen. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander. Während die einen sich freuen, dass der Bezirk zu seinem Glück gezwungen wurde, zeigen andere sich frustriert darüber, dass der Rest des Kantons dem Bezirk die Bahn aufgezwungen hat.

Hansruedi Widmer

pablo_discobar

Daniel Kalt

Alle Resultate im Bezirk im Überblick:

Limmattalbahn: Das Ergebnis in Kanton und Bezirk Dietikon