«Du bist aber ein süüüses Putzi-Mausi. Jo jesses, sooo ein guuutes Huuundeli.» Kennen Sie Leute, die so mit Vierbeinern sprechen, oder reden Sie gar selbst so mit Tieren? Mit «so» ist Singsang gemeint. Eine höhere Sprachmelodie mit gaaaanz laaang gezogenen Vokalen. Klingt ziemlich doof, tun aber tatsächlich die meisten. Warum wir so sprechen und ob Hunde das überhaupt wahrnehmen, haben amerikanische Forscher untersucht. Auf die Frage warum wir betonter, langsamer und höher sprechen, sagt Studienautor Tobey Ben-Aderet: «Diese Haustier-Sprache könnte eine spontane Reaktion auf kindliche Merkmale beim Tier sein – dem Babyschema entsprechend.»

Denn auch über einen Kinderwagen gebeugt, kommunizieren Erwachsene plötzlich mit einer veränderten Sprachmelodie. Wir passen uns quasi dem Niveau unseres Gegenübers an. Studien belegen, dass diese Sprechweise auch Sinn macht. Es rege die Hirnaktivität der Babys an und erleichtere so das spätere Sprechenlernen.

Die zweite mögliche Erklärung: Wir versuchen auf diese Weise, mit einem nichtverbalen Wesen zu kommunizieren. Wir wollen höflich sein und sichergehen, dass Bello uns auch versteht. Was wirklich zutrifft, wollten die Forscher mit einem Experiment herausfinden. Sie zeigten Frauen zwischen 17 und 55 Jahren verschiedene Hundeporträts. Zehn von Welpen, zehn von erwachsenen und zehn von sichtlich älteren Hunden. Die Damen mussten die Hunde mit einem vorgegebenen Text ansprechen. Die Forscher analysierten daraufhin die tonalen Merkmale. Zuvor mussten sie den Satz neutral ohne Hundebild vorlesen. Die Sätze wurden den Hunden vorgespielt.

Gemäss Ben-Aderet sprechen Menschen alle Hunde mit dem typischen Singsang an – egal, ob Welpe oder älterer Vierbeiner. Also treffe die Erklärung, dass der Mensch deshalb so redet, weil es sich um ein Baby (Welpen) handelt, nicht zu. Vielmehr treffe die zweite Erklärung zu. Es sei eher eine unbewusste Reaktion darauf, dass Hunde den Inhalt von Worten nur bedingt verstehen und vielmehr auf Betonungen reagieren. Auf diese Weise versuchen wir uns mit einem nonverbalen Wesen zu verständigen.

Noch spannender aber ist die Reaktion der Tiere. Welpen reagieren stärker auf Hundesprache als ausgewachsene Hunde. Sie sind empfänglicher dafür als für «normal» gesprochene Sätze. Hörten die Welpen den betonten Singsang eines Menschen, schauten sie schneller und häufiger zum Lautsprecher, näherten sich diesem sogar an.

Den älteren Exemplaren geht es eher darum, was das Herrchen sagt, anstatt wie es gesagt wird. Die Forscher vermuten, dass die Sprechweise ihren funktionellen Wert verliert. Welpen können wir also ruhig weiter so anbrabbeln, so wie wir es bei Babys tun. Aber irgendwann nützt es wohl nichts mehr und es ist einfach nur noch peinlich. Egal ob bei Kind oder Hund.