Die Reaktion entbehrt nicht der Ironie: Ausgerechnet Donald Trump, der es im Wahlkampf mit Fakten und Wahrheiten nicht sehr genau nahm, spricht von «Fake News». Und meint damit das Geheimdossier, laut dem die russische Regierung über peinliche und kompromittierende Informationen über sein Sexleben und seine Geschäftsbeziehungen verfügen soll. Die ganze Welt fragt sich nun, ob der zukünftige US-Präsident erpressbar ist.

Wobei die Verflechtungen des Trump-Imperiums mit russischen Oligarchen und Geldgebern das grössere Problem wären als die angeblichen Sexspiele des Milliardärs. Schon John F. Kennedy stand wegen sexueller Ausschweifungen unter Druck. Geschadet hat es ihm nicht. Und wie war das gleich mit Bill Clinton?

Tatsächlich ist jedoch völlig unklar, ob die Vorwürfe zutreffen. So unklar, dass selbst amerikanische Medien, die nur zu gerne über Skandale berichten, vor einer Veröffentlichung zurückschreckten, obwohl sie seit Monaten von dem Dossier wussten. Erst nachdem die US-Geheimdienste Trump und Barack Obama über das brisante Material informiert hatten, liessen die Medien die Bombe platzen. Brisant? Bombe? Das Dokument enthält offenbar Fehler und Ungereimtheiten und nicht einmal den Geheimdiensten ist es gelungen, die Informationen zu verifizieren.

Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau werden zeigen, ob die Vorwürfe stimmen. Sollte Trump auf Konfrontationskurs zu Putin gehen, wird der Kreml-Chef die Beweise auspacken. Denn das ist die ganz normale russische Masche: Entweder du spurst, oder du kannst was erleben.