Kein Zweifel, die schönen Seiten des späten und kurzen Hochsommers überwiegen. Aber wenn Autos, Busse und Züge lange in der Sonne stehen, werden sie zu Backöfen. Bei Temperaturen von 33 bis 34 Grad kann die Gluthitze im Innern rasch 40 Grad und mehr erreichen. «Wie in einem Backofen» fühlen sich die Reisenden in den unklimatisierten Bussen und Zügen, wenn die Hitze den Schweiss aus den Poren treibt. Mit jedem neuen Bus steigt der Klimatisierungsgrad, aber auch im Aargau sind noch (zu) viele veraltete Fahrzeuge unterwegs.

Klimatisierte Busse im Depot

Die Buspassagiere ärgern sich im Schwitzkasten zusätzlich, wenn überzählige Klimabusse im Depot stehen und unklimatisierte Busse unterwegs sind. Aus Lenzburg gab es am Wochenende entsprechende Reaktionen. Die Regionalbus Lenzburg AG (RBL) hat im Liniendienst 20 Busse im Einsatz, «davon haben nur die ältesten fünf Fahrzeuge keine Klimaanlage», versichert Geschäftsführer René Bossard, Leiter öV der zuständigen Eurobus-Gruppe.

Zu den Hitzefahrten hält Bossard seine Abklärungen schriftlich fest: «Kurzfristig musste am Freitagabend ein Fahrzeug ersetzt werden, weil der Fahrersitz einen Defekt erlitt. Das am Samstag eingesetzte Fahrzeug hatte keine Klimaanlage.» Am Sonntag seien im Raum Lenzburg nur klimatisierte Busse der RBL gefahren. Wenn ein Bus zehn Minuten in der Sonne stehe, könne es auch darin sehr heiss werden, bis die Klimaanlage nach der Wegfahrt für Abkühlung sorge.

Mustergültig sind die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW), neben ihrem Effort für das Stadtfest, auch in Sachen Komfort. «Alle unsere 60 Busse sind schon seit drei Jahren klimatisiert», versichert RVBW-Direktor Stefan Kalt. Für einen Gelenkbus steige der Verbrauch damit von 55 um 7 auf 62 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Im Jahresmittel brauche jede Klimaanlage circa 2 Liter auf 100 Kilometer mehr.

In Aarau noch bis 2017 schwitzen

Von den 34 Bussen im Liniendienst von AAR bus + bahn sind 6 noch nicht klimatisiert. «Sie stammen aus einem Zwischenkauf von 2002 und sind bis 2017 im Verkehr», erklärt Peter Baertschiger, Leiter der Busbetriebe Aarau. Für die Chauffeure gebe es eine separate Kühlung, um keinen Hitze-Kollaps zu riskieren.

Bis 2019 dauert die Umstellung bei den Postautos. Heute sind von den 294 Postautos der Region Nordschweiz (AG, SO, BL) 182 oder 62 Prozent mit einer Klimaanlage ausgerüstet. Schon vor Jahren hat der Kanton verlangt, beim Kauf neuer Busse sei auf Klimaanlage, Russpartikelfilter, Zählsystem, Linienanzeigen und Videoüberwachung zu achten.

Komfortabel sind die neuen Züge Domino, Flirt und Stadler-Doppelstock. «Aber aus der ersten Generation der Zürcher S-Bahn fahren noch Züge ohne Klimaanlage, die S-3 nach Aarau, die S-6 nach Baden», sagt Jürg Bitterli von der Abteilung Verkehr. Das gibt es auch im Fernverkehr, von Frick nach Zürich und Basel.