Kein verantwortungsvoller Jäger würde derzeit seinen Jagdhund in einen Fuchsbau schicken. Denn bei den laufenden Treibjagden im Aargau sind schon zahlreiche Füchse geschossen worden, die an der ansteckenden Fuchsräude erkrankt waren. So ist das Projekt einer Fuchsbau-Jagdanlage zu Übungszwecken in Wettingen, im Fachjargon Schliefen-Anlage, zu einem ungünstigen Zeitpunkt lanciert worden, nicht zuletzt aus der Sicht mancher Jäger.

Vor zwei Jahren hat das Aargauer Stimmvolk das Treibjagd-Verbot zwar deutlich verworfen, doch die Schliefen-Anlage erregt nun aufs Neue die Gemüter auf Tierschutz- wie auf Jägerseite. Schweizer und Aargauischer Tierschutz titelten in einem in der az erschienenen Inserat «Ein Tierschutz-Skandal». Von der Gegenseite gab es heftige Reaktionen.

Die kantonalen Stellen verwiesen auf das Gesetz und wollten sich zur Anlage nicht äussern. Eine Schliefen-Anlage und deren Betrieb kann gemäss Kantonaler Tierschutzverordnung und gestützt auf das eidgenössische Tierschutzgesetz über die Sektion Jagd und Fischerei im Einvernehmen mit dem Kantonalen Veterinärdienst bewilligt werden. Ebenso sind Übungen und Prüfungen bewilligungspflichtig, bei der Bodenhunde (Terrier, Dackel etc.) am Bau abgerichtet und geprüft werden.

Wie sehr schädigt der Stress?

Eine Übungsanlage für die Fuchsbau-Jagd (Schliefen-Anlage) ist ein künstliches dem Fuchsbau nachkonstruiertes Röhrensystem, in dem gehaltene Wildtiere (Füchse) von Jagdhunden zu Übungszwecken getrieben werden. Meist sind es Jungfüchse, die handzahm sind. Wie stark Füchse dabei vom Stress geschädigt werden, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Organisationen des Tierschutzes sowie «Tier im Recht» erachten Baujagd und erst recht solche Übungsanlagen als tierschutzwidrig; sie stützen sich dabei auf Studien von Biologen.

In einem Gutachten für den Deutschen Jagdverein kommt jedoch ein anderer Biologe zum Schluss, dass diese Übungssituationen für den Fuchs eher harmlos seien. Im Gegensatz zu Bildern, wie sie im Internet von osteuropäischen Anlagen präsent sind, dürfen in der Schweiz wie in Deutschland Jagdhunde übungshalber nicht in direktem Kontakt auf den Fuchs abgerichtet werden. Mittels Schiebern wird ein direkter Kampf in einer Schliefen-Anlage vermieden.

Im Ernsteinsatz kommt es jedoch immer wieder zum Kampf Hund gegen Fuchs. Läuft die Baujagd gut, treibt der in den Bau geschickte Jagdhund den Fuchs ins Freie, wo die Jäger abschussbereit sind. Bemerkt der Fuchs die Jäger, kehrt er in den Bau zurück, sodass es zum Kampf kommt. Nicht selten bleibt ein Jagdhund im Bau stecken und muss ausgegraben werden. Darum werden sie vielfach mit einem Sender am Halsband ausgerüstet. Für den Tierschutz ist diese Art der Jagd, wie sie gemäss Jagdgesetz auf Bundesebene erlaubt ist, nicht mit der Tierschutzgesetzgebung vereinbar.

Mehrere Hunderassen sind schon vor vielen Jahrhunderten für die Baujagd gezüchtet worden, werden aber kaum für diesen Zweck verwendet. Darum wird befürchtet, dass die Arbeitslinie dieser Rassen über längere Zeit hinweg ganz aussterben könnte.

Macht diese Art von Jagd noch Sinn?

Rainer Klöti, Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins, hat Verständnis für Kritiker. Er verweist allerdings darauf, dass in einem zweijährigen Prozess zusammen mit dem Tierschutz eine entsprechende Verordnung geschaffen worden ist, die eine solche Anlage ermöglichen soll. Für Klöti stellen sich zwei Fragen: «Muss man nun aufgrund einer emotionalen Modeströmung tatsächlich etwas aufgeben, das mit Tradition verbunden und erneut seriös geprüft worden ist? Allerdings muss man sich auch die Frage stellen, ob diese Form der Jagd tatsächlich noch Sinn macht.»

«Die interne Meinungsbildung hat der AJV noch nicht abschliessend gemacht», erklärt Klöti. Er persönlich sei einerseits offen für neue Entwicklungen, andererseits lasse er sich nicht vom ersten Windstoss umwerfen, meint er zur laufenden Diskussion.

Eine Statistik über die per Baujagd abgeschossenen Füchse gibt es im Aargau nicht. Die Jägerei im Kanton Solothurn weist diese Zahl aus: Es sind nicht ganz ein Prozent aller geschossenen Füchse. Aus dieser Sicht wird in Jägerkreisen die Baujagd auch infrage gestellt.